05.11.2017

Wie nachhaltig ist Karlsruhe? Und wie nachhaltig lebe ich?

In meinem heutigen "support your locals" geht es um Nachhaltigkeit. Wie ihr vielleicht wisst, achte ich seit einigen Jahren und vor allem durch meinen Auszug aus meinem Elternhaus vor einem Jahr, vermehrt darauf nachhaltig zu leben. Als ich dann auf die Faire Woche in Karlsruhe und die Veranstaltung "Konsumkritischer Stadtrundgang mit Konsum Global Karlruhe" aufmerksam wurde, empfand ich es als die perfekte Gelegenheit es auch auf meinem Blog genauer zu thematisieren.
Der kostenlose Stadtrundgang fand am 21.10.2017 statt und startete um 14 Uhr vor dem Naturkundemuseum. Dort stellten sich die ehreamtlichen Mitarbeiter von Konsum Global Karlsruhe erstmal vor und gaben eine Einführung in das Thema Nachhaltigkeit. Konsum Global ist eine Gruppe junger Menschen, die sich ehrenamtlich im Bereich Nachhaltiger Konsum engagieren, Hintergrundwissen zu sozialen und ökologischen Auswirkungen des eigenen Konsums vermitteln wollen und konkrete Handlungsalternativen aufzeigen.

Was ist Nachhaltigkeit und wie genau wird es definiert? Ursprünglich kommt der Begriff von der Forstwirtschaft und bedeutet, dass man nur so viel Holz fällt, wie auch wieder natürlich nachwachsen kann. Heutzutage hat es jedoch eine komplexere Bedeutung bekommen und man versteht darunter vor allem, eine Welt zu erschaffen oder zu hinterlassen, in der viele weitere Generationen nicht schlechter gestellt sind ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtige. Unterteilt wird dies in in den ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekt. Diese haben wir uns beim Stadtrundgang genauer angeschaut.
1. Station & Öknomischer Aspekt: 
Faire Ware Laden in der Herrenstraße 46 in 76133 Karlsruhe, Homepage: www.faireware.de

Anhand einer Jeans wurde uns zunächst erklärt, wie diese produziert wird und was daran schlecht ist. Ich glaube uns ist alles bewusst, dass Kleidung meist in Asien produziert wird und das unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen. Zu diesem Thema hat vor kurzem Corinna von Kissen und Karma einen tolles Interview veröffentlicht, dass ich euch gerne ans Herz legen möchte. Mich hat es zwar nicht überrascht, da ich in diesem Bereich schon recht aufgeklärt bin, aber trotzdem haben mich einige Aussagen stark zum nachdenken angeregt. Mehr möchte ich zu diesem Thema auch gar nicht sagen, außer: Scheiß Kapitalismus! Der Faire Ware Laden wurde uns dann als Alternative gezeigt und ist nur einer von vielen coolen Läden in Karlsruhe, die faire Ware anbieten wie beispielsweise Geschirr, Textilien, Kochutensilien, Klamotten, Schuhe, Taschen und sogar Elektrogeräte. Ich kannte diesen Laden vorher noch nicht und war bisher nur in Seconhand Läden unterwegs wie beispielsweise Kashka am Europaplatz (davon gibt es auch einen Vlog), dem Dejá Vu am Kronenplatz oder auch Oxfam in der Waldstraße. Ich werde dort aber definitiv mal vorbei schauen, wenn ich etwas in diesen Bereich benötige, da ich meisten Dinge die dort angeboten wurden auch schon online gesehen habe, aber nicht bestellen wollte (das ist nämlich auch nicht so umweltfreundlich).

Wie nachhaltig ist in diesem Bereich also Karlsruhe und wie nachhaltig lebe ich? Ich würde sagen, Karlsruhe hat nicht gerade viele nachhaltige Läden, aber wenn man danach sucht wird man definitiv fündig! Es ist aber aufjedenfall verbesserungswürdig, denn leider dominieren H&M & Co. Ich denke, man kann aber auch nicht erwarten, dass diese Läden einfach so verschwinden werden, denn dazu ist die Industrie einfach zu mächtig. Es liegt jedoch an einem selbst, wo man einkauft und wenn mehr Menschen wüssten, wo sie nachhaltig und fair einkaufen können, wäre es schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung um auch die Nachfrage zu beeinflussen! Hier findet ihr dazu zum Beispiel eine Karte mit einigen fairen Läden in Karlsruhe. Ich konsumiere meist Secondhand Ware, da ich gerne in Secondhand Läden oder aber auch auf Flohmärkte gehe und kaufe dort auch ein, wenn ich fündig werde. Das ist aber auch meistens das Problem: man findet nicht immer das was man gerade braucht. Aber wenn man mal was findet sind es meistens wahre Schätze und das liebe ich an Secondhand! Ich kaufe jedoch nicht zu 100 % secondhand (Klamotten) und könnte dies eindeutig verbessern. Immerhin habe ich aber diesen Sommer meine ersten Fair Fashion Teile bei Armed Angels gekauft und auch von Madekind habe ich schon ein paar faire Klamottenstücke. Im Vergleich zu 2013 als ich diesen Blog gestartet habe, ist dies aufjedenfall eine Verbesserung für mich! Dazu gibt es aber bald einen eigenen Beitrag!
2. Station und ökologischer Aspekt: Fahrradzähler in der Erbprinzenstraße

Die nächste Station war dann der Fahrradzähler in der Erbprinzenstraße. Denn Karlsruhe wurde 2011 zur "Fahrradfreundlichsten Stadt" gewählt. Zu diesem Anlass wurde 2012 dieser Fahrradzähler in der Erbprinzenstraße aufgestellt. Der mir ehrlich gesagt, noch nie aufgefallen ist! Upsi. Vielleicht liegt es daran, dass ich kein Fahrrad besitze und dem zu folge auch keins fahre, oder aber weil ich selten an dieser Stelle vorbei komme. Jetzt weiß ich jedenfalls, dass dort ein Fahrradzähler steht und finde es auch echt spanennd zu sehen, wie viele Fahrradfahrer dort vorbei kommen. Denn Karlsruhe ist eindeutig eine Fahrradstadt für mich. Ich denke, weil hier auch sehr viele Studenten wohnen (inklusive meinen Freund, der auch mit dem Fahrad rumcruist), die kein Geld oder keinen Bedarf für ein Auto haben. Außerdem haben wir an dieser Station gelernt, welches Transportmittel am wenigsten Co² pro Mensch verbraucht und gewonnen hat dabei eindeutig der Reisebus. Am schlechtesten abgeschnitten hat natürlich das Flugzeug! Dabei ist mir aufgefallen, dass ich das letzte Mal 2016 in einem Flugzeug saß, als ich nach Lissabon geflogen bin. Seit dem war ich entweder per Zug, Auto oder wie diesen Sommer, per Segelschiff unterwegs. Nachhaltig reisen geht also auch und macht nicht weniger Spaß! Hier findet ihr außerdem einen Beitag mit 10 Tipps für bewussteres Reisen. Viele Punkte davon, haben mir selbst die Augen geöffnet und weitergeholfen!

Wie nachhaltig ist Karlsruhe und wie nachhaltig lebe ich in diesem Bereich? Wie schon erwähnt, ist Karlsruhe für mich eine Fahrradstadt, auch wenn ich selbst kein Fahrrad besitze und ich das deshalb nur aus Füßgänger bzw. Bahnfahrer-Sicht sehen kann. Von daher, kann ich es natürlich nicht so gut beurteilen wie beispielsweise mein Freund. Aber Fakt ist, dass es einige Fahrradstraßen und Fahrradampeln gibt und das finde ich gut. Auch wird regelmäßig durch verschiedene Kampagnen der Stadt aufgerufen, Rad zu fahren und sein Auto Zuhause stehen zu lassen. Abseits vom Fahrrad gibt es aber natürlich auch die Straßenbahn, Büsse und auch Car-Sharing Angebote wie das Stadtmobil. Das sind alles nachhaltige, gute Ansätze, die aber einfach mehr genutzt werden sollten/müssten. Zum ökologischen Aspekt gehört aber nicht nur die Mobilität sondern zum Beispiel auch Müll oder die Ernährung. Hierbei versuche ich keine Lebensmittel zu verschwenden, wenig bis gar keine Fleisch & Milchprodukte zu konsumieren (vegan möchte ich erstmal nicht leben) und möglichst plastikfrei einzukaufen.
3. Station und sozialer Aspekt: Gewerbehof, Steinstraße 23, 76133 Karlsruhe

Der Gewerbehof ist ein selbstverwalteter Zusammenschluss verschiedener Betriebe und Initiativen wie zum Beispiel dem Querfunk Radio (kenne ich hauptsächlich von Zapata Soundz ihren Reggae Sendungen - one love!), einem Café, einer Töpferwerkstatt, ein Yoga Studio, einen Kindergarten, ein Fahrradladen und mehr. Und warum ist das jetzt nachhaltig? Das wurde uns am Beispiel des Fahrradladen erklärt. Denn der Besitzer des Fahrradladen repariert nicht nur Fahrräder, sondern verleiht auch Werkzeug damit man es selbst reparieren kann. Auch teilt er gerne sein Wissen. Wo findet man das heute? Gibt es in eurer Stadt sowas? Ich kann diese Frage nicht beantworten, da ich bisher nur in Karlsruhe oder in meinem Dorf gewohnt habe, aber ich glaube das ist selten und deswegen besonders.
4. Station und ebenfalls sozialer Aspekt: Lidellplatz Bücherstation 

Unsere vierte Station auf dem Stadtrungang war dann der Lidellplatz. Dort findet man eine öffentlichen Bücherschrank, von der ich schon öfter gehört habe, aber gar nicht wusste, dass es das auch in Karlsruhe gibt. Wieder was dazu gelernt! Das Prinzip des Schrank ist, dass man alte oder gelesene Bücher, die man nicht mehr haben möchte in den Schrank stellt und sie somit anderen zur Verfügung stellt. Im Gegenzug kann man sich dann kostenlos ein Buch mitnehmen und behalten oder aber wieder zurück bringen. Die Box daneben, in das das Kind und seine Mutter hereinschauen, ist außerdem eine Give-Box von Komsum Global, in der man gut erhaltene Dinge legen kann, die man nicht mehr braucht oder behalten möchte. Anstatt sie zu verkaufen oder einfach wegzuwerfen. Beides ist eine tolle Idee und gibt es an verschiedenen Standorten in Karlsruhe (einfach bei Stadtwiki nachschauen). Warum auch immer neu kaufen? Versucht doch mal Dinge auszuleihen, zu tauschen, selbst zu machen oder wieder zu verwerten! 

Wie nachhaltig ist Karlsruhe und wie nachhhaltig lebe ich in diesem Bereich? Mit diesem Bereich habe ich mich ehrlich gesagt, bisher am wenigsten beschäftigt. Deswegen kannte ich den Gewerbehof auch noch gar nicht und kenne bisher auch keine anderen oder weitere vergleichbare Plätze in Karlsruhe. Wie nachhaltig ich in diesem Bereich bin, ist mir auch erst mit dem Stadtrundgang bewusst geworden. Ich leihe gerne Bücher von den Eltern meines Freundes aus, weil diese eine große und interessante Auswahl haben und weil ich nicht das Geld habe, mir jeden Monat x Bücher zu kaufen. Dinge verschenken tue ich auch eher selten und wenn dann an meine Schwestern. Viel öfter wie ich Dinge verschenke, bekomme ich jedoch Dinge geschenkt, die andere nicht mehr haben möchte (zum Beispiel letztes Jahr einen Cardigan von meiner Schulkameradin - so nice!). Meistens leihe ich Dinge aus, tausche sie oder mache sie selbst, weil ich zu pleite bin und nicht wegem den nachhaltigen Gedanken - shame on me!? Es ist aufjedenfall verbesserungswürdig...
An der letzten Station haben wir noch Fair Trade Zertifizierungen erklärt bekommen, aber da ich mir nicht alle merken konnte und das generell sehr schwierig ist, kann ich dazu leider nicht mehr sagen. Natürlich kenne wir alle ein paar davon und wissen ungefähr was es bedeutet, aber nur weil ein Produkt solch eine Kennzeichnung trägt, heißt es noch lange nicht, dass es nachhaltig ist. Dazu gehören nämlich die bereits erwähnten Aspekte.


Fazit
Ihr seht also Nachhaltigkeit ist ein komplexes Thema, über das es gar nicht so leicht ist zu schreiben. Trotzdem habe ich es versucht und hoffe, ihr habt eine kleine Einführung bekommen, etwas dazu gelernt oder befasst euch nun näher mit dem Thema, wenn es euch interessiert. Alles was ich mit diesem Beitrag erreichen möchte, ist auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen, zu infomieren und die Gruppe Konsum Global zu unterstützen. Die Entscheidung liegt dann bei euch, was ihr mit diesen Informationen macht. Wie gesagt, bin auch ich nicht perfekt und kann noch viel nachhaltiger leben, aber ich versuche darauf zu achten und gebe dabei mein Bestes. Außerdem habe ich euch noch zwei Doku's verlinkt, die ich in letzter Zeit zum Thema Nachhaltigkeit geschaut habe und die euch weiterempfehlen kann.



Was sind eure Gedanken über Nachhaltigkeit? 
Wie nachhaltig ist eure Stadt? Und wie nachhaltig lebt ihr?

Kommentare:

  1. Wir waren in einem kleinen Dorf in der Nähe von Fredericia. Dort stehen (für Dänemark ja recht typisch) einige Ferienhäuser, von denen wir eines gemietet haben. Es war wirklich sehr schön dort. Von unserem Wohnzimmer konnten wir aufs Meer sehen. In Dänemark habe ich mich letztes Jahr bereits verliebt, es ist wirklich schön dort.

    Ich finde dein Projekt zum Thema Nachhaltigkeit wirklich toll. Spannend ist auch, dass man solche Projekte ganz oft gar nicht kennt. Ich sollte mich wohl auch mal mit diesem Thema in meiner Stadt genauer beschäftigen, da ich finde, dass das ein wichtiges Thema ist. Deshalb finde ich gut, dass du auf deinem Blog Platz dafür schaffst.

    Liebe Grüße
    Anneke von herzballon

    AntwortenLöschen
  2. Hey liebe Jasmin,
    super, dass du die Tour mitgemacht hast (und überhaupt erst mal klasse, dass die Stadt sowas anbietet, auch noch kostenfrei!). Ich finde, du bist auf jeden Fall schon super bewusst und vorbildlich. Wenn sich da jeder mal so viele Gedanken machen würde, wären wir schon echt weit :D Aber naja, jeder Schritt in die richtige Richtung zählt.
    Stuttgart hat immerhin 4 Fair Fashion Läden und ich hab das Gefühl, es tut sich schon was. Aber leider wird gerade auch der zweite Primark gebaut und es gibt noch lange nicht genug secondhand Läden. Aber wie du eben schreibst: wer suchet, der findet!
    Liebst,
    Corinna
    www.kissenundkarma.de

    AntwortenLöschen
  3. Ein sehr interessanter Beitrag. Wie nachhaltig Würzburg ist, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, aber was wir dort auch viel haben sind Fahrräder, da es ja ebenfalls eine Studentenstadt ist. Und natürlich gibt es dort auch Car Sharing angebote, was ich ebenfalls eine tolle Entwicklung finde und denke, dass das in Zukunft für viele eine tolle Alternative darstellt. Ob es dort einen Bücherschrank gibt weiß ich hingegen gar nicht, dafür aber viele Buch Flohmärkte. Ansonsten weiß ich noch, dass kürzlich ein Unverpackt Laden bei uns aufgemacht hat, was ich ebenfalls gut finde, denn vieles an Verpackung kann vermieden werden und ich würde mir wünschen, dass auch die großen Supermärkte da mal was ändern. Was bei uns in vielen Läden umgesetzt wird ist, dass aktiv gefragt wird ob man überhaupt eine Tüte braucht und die dann auch was kostet. Ich nehme deshalb immer meinen eigenen Beutel mit und tue auch so was gutes für die Umwelt. Auch Cafe bekommt man bei uns immer häufiger in den eigenen Becher und spart dann noch Geld.

    Wo ich umweltfreundlich bin ist, dass ich nicht mehr jede kurze Strecke mit dem Auto fahre sondern auch viel Laufe, was auch gut für die Gesundheit ist. An Online Bestellungen komme ich hier auf dem Land aber nicht dran vorbei, da es nicht mehr jeden Laden direkt in der Nähe gibt und Würzburg ist ja doch noch ein Stückchen von mir weg.

    Finde solch eine Führung aber super, ist echt eine schöne Aktion, die zum nachdenken anregt und wo man mehr erfährt.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Dankeschön, ja allerdings :). Wobei so ein ruhiger Monat ja auch mal schön ist. Wünsche dir nun aber ganz viel Spaß im November, bei mir steht da ja auch einiges an, vor allem einige Geburtstage und ins Kino möchte ich auch wieder einmal.

    AntwortenLöschen
  4. Freut mich, dass ich dir eine Freude machen konnte. Ich bin aber schon mal froh, dass auf dem Smartphone alles passt. Genau das wollte ich: schlichter und erwachsener, somit bin ich erleichtert, wenn das Layout auch genau das transportiert. Bin auch schon sehr gespannt auf dein neues Layout und Danke für das Feedback.

    AntwortenLöschen

Wenn du ein Kommentar hinterlässt, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google. Mit dem Abschicken deines Kommentars bestätigst du, dass du die Datenschutzerklärungen gelesen und akzeptiert hast.

Wenn Du die Kommentare zu diesem Beitrag durch Setzen des Häkchens abonnierst, informiert Dich Google durch eine Mail an die in Deinem Googleprofil hinterlegte Mail-Adresse. Durch Entfernen des Hakens löscht Du Dein Abonnement wieder. Du hast aber auch die Möglichkeit Dich in der Mail, die Dich über einen neuen Kommentar informiert, über einen Link wieder abzumelden.