23.12.2015

travel stories #3: I believe in people. I believe in humanity.

2008. Deutschland. Ein Dorf in Baden-Würrtemberg.
Seit einigen Jahren gehe ich nun schon auf die Hauptschule, auf der ich Freunde und Feinde gefunden habe. Meine Schulzeit hier neigt sich dem Ende zu und ich bin froh und erleichter. Endlich muss diese Lehrer und einige Mitschüler nicht mehr sehen. Nicht alles hier war schlecht, aber es hat mich geprägt. Gerade in der Pubertät war ich sehr sensibel und verunsichert. Und als vor drei Jahren mein Bruder die Schule verließ, um seinen weiteren Werdegang zu gehen, hatte ich meinen Beschützer verloren. Die Hänseleien wurden mit den Jahren zwar weniger aber ganz weg waren sie nie. Ching, Chang, Chong. Reisfresser. Das sind nur die milden Beleidungen die ich erleiden musste, weil ich asiatisch aussehe. Das schlimme daran waren für mich aber nicht die Beleidungen, sondern die Herkunft der Menschen die es zu mir sagten. Sie waren Türken und Albaner. Selbst Ausländer und das meist ganz. Ich war immer nur halb deutsch, halb thai.  Dafür wurde ich gehänselt und mir das Gefühl vermittelt, minderwertig zu sein. Rassismus. Ich verstehe es bis heute nicht.
2014. Marokko. Essaouira.
Ein Mann der aussieht wie Tingel Tangel Bob aus Die Simpsons spricht uns im guten Englisch an. Woher wir kommen, wohin wir gehen und wie lange wir schon in Marokko sind, will er wissen. Wir antworten ihm höflich und es entwickelt sich ein Gespräch. Wir setzten uns zu ihm und seinem Bruder Salim auf die Mauer. Unter uns schlagen die Wellen an die kegelförmigen Steine, vor uns geht langsam die Sonne unter. Wir unterhalten uns über Musik, Reisen und Marokko. Die Unterschiede zwischen Europa und Afrika, das Postitive und den Krieg. Da wir uns nur schwer voneinander trennen können, nehmen wir ihre Einladung zum Essen gerne an. Nach dem Markt Besuch (den ich hier schon beschrieben habe) gehen wir zu ihrer Gastfamilie, kochen, essen, lachen und reden weiter über Gott und die Welt. Bei Musik von Alpha Blondy reden wir über den Islam. Was er lehrt, wie die Sache mit dem Alkohol so gesehen wird, das gute und das schlechte daran. Immer wieder kommen wir auf das Thema Krieg. Zerstörung. Intoleranz. Der 11. September. Saddam Hussein. Der arabische Frühling. Der IS. Die großen Unterschiede zwischen Europa und Afrika und der Rest der Welt. Wir reden aber auch über Mahatma Ghandi, Frieden, Bob Marley und seine Botschaft. Darüber, das nicht alle Muslime Terroristen sind (was mir schon immer klar war). Außerdem betont Salim immer wieder das alles seinen Ursprung in Afrika hat. Mama Afrika. One Love. One Heart.
2015. Indonesien. Pangandaran, Java.
Ich bin das erste Mal in meinem Leben auf einer Hochzeit (hier gehts zum Video). Sie ist ist im muslimischen Teil Indonesiens. Alle Frauen tragen Kopftuch und sehen dabei wunderschön aus. Sie haben bunte Batikröcke oder Kleider an, ihr Gesicht ist wunderschön geschminkt und ihre Frisuren sind mühevoll gestaltet. Die Männer haben sich auch schick gemacht, die einen mehr, die anderen weniger. Sie dürfen als erstes am Buffett essen. Alles ganz geordnet in einer Reihe. Danach sind die Frauen dran. Mein Freund isst allerdings mit mir, weil er es verpeilt hat (so süß ihn zwischen all den Frauen stehen zu sehen). Das macht aber nichts, wir sind ja nicht von hier und das wird toleriert. Vor der Zeremonie habe ich das erste Mal in meinem Leben einem Priester aus dem Koran vorlesen gehört oder soll ich eher sagen vorsingen? Gewöhnungsbedürftig aber auch nicht viel schlimmer als christlichen Pfarrer beim Vater-Unser zuzuhören, meiner Meinung nach. 
Die Kirche und ich sind keine Freunde. Auch wenn ich christlich aufgewachsen bin und ich den Religionsunterricht bis heute sehr gerne mag (hauptsächlich aufgrund der Lehrer/innen und der meist coolen Themen). Allerdings finde ich vieles nicht in Ordnung, vor allem im katholischen Glauben. Aber ich hasse sie deswegen nicht. Ich aktzeptiere es und lasse jedem das seine. Wer daran glauben möchte, soll es tun. Wer nicht, ist mir auch egal. Ich glaube an Werte. Werte die meiner Meinung nach, jede Religion und Erziehung vermitteln sollte. Egal on Islam, Christentum, Buddhismus, Hinduismus oder Judentum. Oder all die kleineren Abzweige davon. Ich hatte mal eine Freundin, die war bei den Zeugen Jehovas. Wir haben uns sehr gut verstanden, sonst wären wir ja keine Freundinnen geworden. Damals war es noch so, dass man einfach an der Haustür klingelte und gefragt hat ob man raus kommen will zum spielen. Jedenfalls war das bei mir im Dorf so. Das tat sie sehr oft bei mir und nie konnt ich nein sagen. Deshalb hat sie mich eines Tages zu ihrem Gotteshaus mitgenommen. Ich weiß bis heute nicht mehr, ob es eine Kirche oder ein Gemeindehaus war, aber ich weiß das es rund war und schön aussah. Ich habe mich dort wohlgefühlt. Danach ist sie leider umgezogen und wir haben uns nie wieder gesehen. Einige Jahre später, ungefähr in der 8. Klasse, habe ich im Religonsunterricht in der Schule gelernt, dass die Zeugen Jehovas eine Sekte sind und das schlecht ist. Jedoch hatten mich meine Freundin und ihre Familie in einer sehr schweren Zeit, der Trennung meiner Eltern, sehr unterstüzt und dafür bin ich ihnen bis heute dankbar.
Die Moral von der Geschicht? Am 13.11.2015 ist etwas schlimmes in Paris passiert. Das wissen wir alle. Auch am 11.09.2001 ist etwas schlimmes passiert. Und ungefähr jeden Tag passiert sowas, ohne das darüber berichtet wird. Es werden jeden Tag Menschen getötet, egal ob von Terroristen der IS oder von Menschen ohne religösen Glauben. Ich möchte euch heute, einen Tag vor Weihnachten, einfach nur daran erinnern, dass Liebe stärker ist als Hass. Dabei spielt Religion keine Rolle. Ebenso wenig wie die Hautfarbe, das Geschlecht, die Sexualität oder sonstiges. 


Auf all meinen Reisen und auch in Deutschland, habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt. Muslime, Buddhisten, Atheisten, Afrikaner, Chinesen, Weiße. In meiner Straße wohnen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Balkanländern. Ich habe gute und schlechte Erfahrungen mit Menschen jedlicher Herkunft und Religon gemacht und dabei habe ich nie den Glauben an die Menschen und die Humanität verloren. An Respekt, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Toleranz und Akzeptanz. Den niemand möchte Krieg. Wir wollen alle nur geliebt werden und in Frieden leben. Gerade das Weihnachtsfest ist so eine friedliche Zeit, zum nachdenken, um Zeit mit der Familie zu verbringen und mal zur Ruhe zu kommen. In diesem Sinne wünsche ich euch ein ruhiges, frohes Weihnachtsfest und erholsame Feiertage!

Kommentare :

  1. Ein sehr schöner Artikel:)
    Möge es Ruhe und Frieden auf der Welt geben.

    Frohe Weihnachten!
    Liebe Grüße
    daydiva

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  2. Ein wirklich toller Post, dessen Botschaft so gut zu Weihnachten passt und der ich mich nur anschließen kann. Ich finde es übrigens traurig, dass du wegen deiner Herkunft gehänselt wurdest. Wobei es macht mich nicht nur traurig, sondern wütend, weil ich nicht verstehen kann, wie man Menschen aufgrund der Abstammung fertig machen kann. Wir sind alle Menschen und auch alle gleich, egal welchen Glauben wir nun haben.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Die habe ich auf Amazon Prime geschaut ;). Kann sie dir echt nur empfehlen. Also ich werde ja am ersten Weihnachtsfeiertag dann mit House of Cards anfangen. Wir schauen nach dem Essen, wenn die Bäuche voll sind immer gerne Dvds und so hat sich das schon eingebürgert das ich was mitnehme.

    Ps: Ich wünsche dir übrigens noch frohe Weihnachten, genieße die freie Zeit und lass die Seele mal baumeln :).

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    1. Wir haben auch Kevin Allein Zuhause geschaut, die Filme gehen ja auch immer. Hatten aber auch echt einen schönen Abend und die ganzen letzten Tage gab es bei mir wirklich viel zu viel Essen. Mittags, dann Kaffee und dazu noch Abendessen, häufig noch gepaart mit Nachtischen. Und natürlich immer wieder Plätzchen zwischen durch. War echt zuuu viel xD. Jetzt ist erstmal fasten angesagt.

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  3. Würde du es hören & sehen können würde ich nun applaudieren für diesen wirklich mitreisenden, gefühlvollen, ehrlichen & lebensnahem Text. Ich war sofort mit gerissen & ich finde es gut das auch solche Post's vor der heiligen Nacht online gestellt werden. Denn genau so ist es, die Menschen werden in Schubladen gesteckt obwohl man sie gar nicht kennt & das ist das traurige. Viele schauen meinen Freund dumm von der Seite an weil er zur Hälfte Araber ist. Er ist in Deutschland geboren, hier aufgewachsen & trotzdem zählt er für viele immer noch als Ausländer & Vorurteile bilden sich hier & da, was so traurig ist.
    Ich werde deinen Post gleich einmal weiter teilen weil er so offen & wirklich gut & zum nachdenken geschrieben ist. Mach weiter so!

    Sophie♥

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  4. Liebe Jasmin,
    das ist so ein wundervoller Post!
    Es tut mir sehr leid, dass du auch schlechte Erfahrungen machen musstest, weil du nicht 100% Deutsche bist. Ich habe eigentlich nur Freunde in meinem Freundeskreis, die mindestens 50% aus einem anderen Land kommen. Und ich verstehe mich super mit meinen Freunden, weil sie auch aufgeschlossen sind.
    Danke für diesen tollen Post zu Weihnachten! Es hat echt gut getan so etwas noch kurz vor der Bescherung zu lesen :-*
    Ich wünsche dir ein wundervolles Weihnachtsfest mit deinen Liebsten!
    Viele liebe Grüße und Bussis :-*
    Jasmin

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  5. Schön geschrieben. ;)
    Frohe Weihnachten

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  6. Gorgeous pictures and writing!

    xo
    http://thepinkporcelaindoll.blogspot.ro/

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  7. Wunderschön geschrieben! Auf meinen Reisen dürfte ich so wunderbare und offene Menschen kennenlernen, dass jedes Vorurteil keinen Platz mehr haben sollte.
    Und bei den Werten spielt Toleranz eine ganz große Rolle für das Akzeptieren und Lernen vom "Anderssein", in welcher Hinsicht auch immer.

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  8. ein sehr schöner beitrag!! ich kann auch nicht verstehen wieso sich menschen gegenseitig verletzen. warum die Boshaftigkeit in so vielen von uns schlummert und wie wenig sich menschen in andere menschen hineinversetzen können. es wird mir immer ein rätsel sein, wieso wir uns gegenseitig fertig machen müssen. meist sind das leute die ein minderwertiges Selbstbewusstsein haben und sich dadurch dann besser fühlen. ich hoffe du kannst über all die fiesen sprüch stehen und nimmst dir das nicht so zu herzen. dann haben diese menschen nämlich genau das erreicht was sie wollen. gibt ihnen dazu nicht die Chance.
    einen guten start im neuen jahr wünsch ich dir.
    liebe grüße, lena
    http://footprintstravelblog.blogspot.de

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  9. Der Artikel ist nun auch endlich in der Liste der Artikel für "Blogger gegen Rassismus" und auf unserer FB-Seite geteilt worden. Leider konnte ich deine Seite nicht markieren.

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